Bewährungsprobe für die Surfershorts

Boardshorts

Seit einigen Jahren dominieren sie an Badestränden und in Schwimmhallen die Lenden der Männerwelt: die langen Badehosen im Surfer-Look, kurz Surfershorts. Der Trend hält bereit eine ganze Weile an und spaltet die Gemüter: Während die einen begeisterte Verfechter der locker sitzenden Badehosen sind, sind sie für andere nichts als schlabberige Scheusale und werden konsequent abgelehnt. Gerade bei den jüngeren Semestern liegen die Surfershorts jedoch nach wie vor hoch im Trend. Doch die Konkurrenz ist auf dem Plan und andere Looks befinden sich bereits in den Startlöchern. Eine Bewährungsprobe für Surfershorts.

Die langen Badehosen kamen vor einigen Jahren aus den Surfer-Nationen dieser Erde zu uns. Vermutlich stammen die Teile ursprünglich aus Australien. Viele Frauen verbanden mit den Shorts durchtrainierte Surfer, sonnengebleichte Haare und knackig gebräunte Haut. Ein Klischee, an dem man sich gerne orientiert, dachte die Männerwelt, und kaufte die Surfershorts in Scharen – schließlich wollte man die Damenwelt beeindrucken, wie es die australischen Surfer-Boys tun. Das Problem dabei: Nicht jeder kann Surfershorts tragen. Viele korpulentere Männer erhoffen sich, mit den langen Badehosen ihre Problemzonen zu kaschieren, vergessen dabei aber offenbar, dass sie noch einen Oberkörper besitzen, der von den Teilen nicht bedeckt wird. Umgekehrt sehen die Shorts an dünnen Bohnenstangenkörpern oftmals wie überdimensionierte MC-Hammer-Hosen aus. Folglich eignen sich die Surferhosen tatsächlich am besten etwa für top-durchtrainierte Menschen oder den absoluten Durchschnittsbody, der nicht zu dick und nicht zu dünn ist.

Obwohl die Auswahl an verschiedenen Mustern und Looks stark variiert und in den letzten Jahren extrem zugenommen hat, zieren die Surfershorts traditionell Blümchenmuster oder Hawaii-Prints mit sonstiger Flora. Schlichtere, einfarbige Modelle stehen ebenfalls hoch im Kurs und werden gerne von denen getragen, die es etwas dezenter wollen – eine Entscheidung, die aufgrund der schieren Größe der Badehosen durchaus nachvollziehbar ist. Eher schwierig ist es jedoch mit Karomustern und übergroßen Labelprints. Das Karomuster gilt als ausgereizt, da es in den letzten Jahren viel zu oft zum Einsatz kam, auch bei kurzen Hosen außerhalb des Swimwear-Bereichs. Große Labelprints sind ohnehin nicht ratsam, weil sie schnell den Eindruck erwecken, man habe es nötig, mit Markenware zu prahlen.

Halten wir also fest: Wer ein paar Regeln beachtet, der ist mir den langen Surfershorts noch immer gut beraten. Was Look und Coolness-Faktor angeht, können Konkurrenzmodelle den Teilen derzeit kaum das Wasser reichen. Gleichzeitig muss man jedoch sagen, dass Alternativen sehr wohl vorhanden sind und Stück für Stück mehr Aufmerksamkeit bekommen, allen voran die bedeutend kürzeren Badeshorts im Tennishosenlook. Sie sind der perfekte Kompromiss zwischen den übergroßen Surfer-Modellen und den enganliegenden Badeslips und haben in den letzten Jahren immer mehr Männer für sich begeistern können. Gerade hochpreisige Marken wie Dsquared2 oder Ralph Lauren haben zuletzt stark auf diese Art von Badehosen gesetzt – und das nicht ohne gewisse Erfolge.

Gerade die Shorts im Tennishosen-Cut machen die Nachteile der Surferhosen offensichtlich: Sie sind oft ZU groß und ZU schlabberig, um die beim Schwimmen gewünschte Bewegungsfreiheit zu garantieren und lassen naturgemäß nur wenig Sonne ans Bein – käseweiße Oberschenkel sind schließlich die unerwünschte Folge. Wer nun glaubt, dass das eventuell zum Comeback der ultraknappen Badeslips führt, wie sie etwa in den 80er und 90er Jahren gang und gebe waren, der täuscht sich. Dafür scheint die Männerwelt dann doch noch nicht bereit zu sein, auch die Damen lehnen die kleinen Stofffetzen bei Männern eher ab. Andererseits, Mode-Ikonen wie David Beckham machen es vor, scheint es prinzipiell möglich zu sein: Beckham präsentierte sich ja bekanntlich bereits des Öfteren in Badeslips und erntete dafür durchaus wohlwollende Kommentare. Lustigerweise wird allerdings an diesem Punkt die Gemeinsamkeit von ultraknappen und ultralangen Badehosen deutlich: Wer die Teile tragen will, braucht einen entsprechend durchtrainierten Body. Und solange echte Alternativen noch auf sich warten lassen, behalten die Surferhosen ihren derzeitigen Stellenwert als populärste Badehose für den Mann.

UPDATE:
Die schönsten Surfershorts scheint’s im Norden zu geben, zumindest haben wir bei Quiksilver in Flensburg so einiges entdeckt.